Die Geschichte der Marrying Mdivanis – Teil 3
Nina Mdivani und Denis Conan Doyle im Ritz, aufgenommen im Juni 1938
Bildquelle: The Arthur Conan Doyle Encyclopedia
Auf der Google-Suche nach zuverlässigen Quellen über die Familie Mdivani stieß ich auf das 2016 erschienene Buch From Holmes to Sherlock: The Story of the Men and Women Who Created an Icon von dem schwedischen Autor Mattias Boström. Ein wirklich spannendes, gut recherchiertes und dazu noch amüsantes Werk! Was aber hatte Meisterdetektiv Sherlock Holmes mit den Marrying Mdivanis zu tun? Sein Schöpfer, Sir Arthur Conan Doyle, lernte die Familie nie kennen; er starb im Juli 1930. Sein 1909 geborener Sohn Denis jedoch, hier im Filmclip mit einer geringelten Strickweste zu sehen, verliebte sich 1934 in Nina Mdivani.

Nina Mdivani
Denis Conan Doyle
Nina Mdivani und Denis Conan Doyle im Ritz, aufgenommen im Juni 1938
Bildquelle: The Arthur Conan Doyle Encyclopedia
Nina Mdivanis Heirat Nummer 2
Beim Autorennen hatte Nina Huberich 1934 die Brüder Adrian und Denis Conan Doyle kennen gelernt. Beide waren begeisterte Rennfahrer 1936 gingen die Doyle-Brüder beim Southport-Sandrennen mit einem Mercedes-Benz SSK an den Start und waren die Schnellsten über die Distanz von einer Meile für große Fahrzeuge; Adrian belegte zusätzlich Platz 5 beim 50-Meilen-Handicap-Rennen.
Zwischen der 33-jährigen Nina und dem 8 Jahre jüngeren Denis funkte es, und nach elf Jahren Ehe bat sie Charles Henry Huberich um die Scheidung. Der stimmte zu, und am 6. August 1938 heirateten Denis Conan Doyle und Nina Mdivani in dem walisischen Schloss St Donat‘s Castle.
Ihre Ehe dauerte bis zu Denis‘ plötzlichem Tod im März 1955 in Indien. Die Verbindung zur Conan-Doyle-Familie blieb bestehen, denn als Denis‘ Witwe hatte Nina Anspruch auf Tantiemen für die Sherlock-Homes-Erzählungen ihres Schwiegervaters.
Nachdem Adrian Conan Doyle im Juni 1970 verstorben war, ließen Adrians Witwe Anna und seine Schwester Jean die Rechte an den Sherlock-Holmes-Erzählungen (das Copyright galt noch bis 1980) über eine Kanzlei in der Schweiz versteigern. Nina und ihr dritter Ehemann erwarben im Januar 1972 die Rechte und gründeten eine Firma namens Baskerville Investments. Zusätzlich zu den Tantiemen versuchten sie, die Figur des Sherlock Holmes weltweit als Marke registrieren zu lassen, um noch mehr Geld für Lizenzen einzuheimsen. Das misslang gründlich, und im August 1976 gingen die Conan-Doyle-Rechte an einen Fernsehproduzenten über.
Die enge und nicht immer harmonische Verbindung mit der Familie Conan Doyle brachte es mit sich, dass ein großer Teil von Nina Mdivanis Fotos, Alben und Briefen mit dem Nachlass von Arthur Conan Doyle in Portsmouth archiviert wurde.
Den entscheidenden Hinweis auf diesen Schatz und weitere nützliche Informationen bekam ich von Mattias Boström, der das komplizierte Verhältnis von Nina Mdivani zur Conan-Doyle-Familie in From Holmes to Sherlock beschrieb.
Nina Mdivanis Memoiren
Im November 2017 machte ich mich auf die Reise nach Portsmouth und verbrachte drei Tage im dortigen Stadtarchiv, um Nina Mdivanis Nachlass zu sichten. Die Conan-Doyle-Sammlung wurde dem Stadtrat im Jahr 2004 vermacht, die riesige Sammlung umfasst Erstausgaben von Büchern, zugehörige Briefe, Film- und Fernsehmemorabilien, Merchandising-Artikel und diverses Zubehör. Dazu gehört auch eine Kollektion von Geisterfotografien, die Doyle selbst angefertigt hatte.
Denn obwohl Doyle als Arzt über einen naturwissenschaftlichen Hintergrund verfügte, galt er als der prominenteste Fürsprecher des Spiritismus (englisch: spiritualism). Er glaubte an Séancen und übersinnliche Fähigkeiten von Medien und setzte viel Geld und Zeit ein, auch seine Mitmenschen davon zu überzeugen. Das führte zu einem endgültigen Zerwürfnis mit seinem Freund, dem Entfesselungskünstler Harry Houdini, der solche Phänomene als Illusionen und Taschenspielertricks entlarvte.
Seinen unerschütterlichen Glauben gab Arthur Conan Doyle an seine Kinder und an seine Gattin, Lady Jean Doyle, weiter. Nach seinem Tod im August 1930 war die ganze Familie überzeugt, regelmäßig Nachrichten aus dem Jenseits von ihm zu bekommen.
Als sie von Denis‘ geplanter Heirat mit Nina Mdivani erfuhr, rief Jean die zukünftige Schwiegertochter mit den Worten zu sich: „Ich habe eine Mitteilung von meinem geliebten Mann erhalten. Wir müssen die Hochzeit um sechs Monate verschieben.“ Worauf Nina, deren Großvater Moslem gewesen war, konterte: „Und ich habe eben eine Nachricht von Mohammed erhalten, dass die Hochzeit unverzüglich stattfinden muss.“ Nina setzte sich durch, und die Trauung fand wie geplant statt.

Das Paar war meist auf Reisen, führte ein Leben im Luxus und stellte diesen Luxus auch ungeniert zur Schau. Denis war bis über beide Ohren verliebt in Nina, er überschüttete sie mit Aufmerksamkeiten, Schmuck und anderen Geschenken. Jahrelang schickte er ihr regelmäßig Blumen und ließ handgeschriebene Karten beifügen, auf denen er seine Gefühle für sie in schwärmerischen Worten zum Ausdruck brachte. Beide logierten in den teuersten Hotels, und Nina musste für ihren Lebensunterhalt keinen Finger krumm machen.
Adrian Doyle und der Rest der Familie waren darüber alles andere als begeistert, denn das Vermögen der Doyles schmolz vor ihren Augen dahin. Noch viel mehr Ärger gab es, als Nina einen zwielichtigen Poeten als Sekretär einstellte. Aber das soll in einem der nächsten beiträge erzählt werden.
Die ganze Geschichte der Mdivanis und noch viel mehr ist hier nachzulesen.


