Die Geschichte der Marrying Mdivanis – Teil 2

Wie ich dazu kam, ein Buch über die Mdivanis zu schreiben

Meine Erste Begegnung mit den Mdivanis hatte ich in dem 1965 erschienenen Buch Hollywood Babylon von Kenneth Anger. Das zweibändige Werk – eine Chronik von Skandalgeschichten über ehemalige Hollywood-Stars, angefüllt mit Schrecken erregenden Fotos ungeschminkter (bisweilen sogar toter) Stars, ist bis heute ein Verkaufsschlager. Mir fiel darin ein Foto der Stummfilm-Ikone Mae Murray ins Auge, die bei Schießübungen mit einem hochgewachsenen Begleiter in Knickerbocker-Hosen zu sehen war. In der Bildunterschrift war von Mae und „Prinz Mdivani“ die Rede.
Einige Jahre später stolperte ich erneut über den Namen Mdivani. Diesmal in zwei äußerst unterhaltsam geschriebenen Sachbüchern des Journalisten Rudolf Kinzel über Mode und Luxusdüfte. Darin erfuhr ich, dass es mehrere Mdivani-Prinzen gab, ebenso zwei Prinzessinnen. Und dass deren Lebensgeschichten ebenso spektakulär wie tragisch waren. Ich brannte nach mehr Informationen über die Mdivanis. Jedoch: Diese gab es kaum.

Inzwischen haben alle Einträge bei Wikipedia – aber ehe jemand denkt, ich hätte dort abgeschrieben: Ich selbst (alias Trigintipetala) habe diese Einträge erst 2020 angelegt.

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Barbara Hutton

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Alexis Mdivani

Misia Serts Memoiren

Immerhin konnte ich in Erfahrung bringen, welche Quellen Rudolf Kinzel für seine Bücher Die Modemacher und Parfüms genutzt hatte. Da waren zum Einen die Pariser Erinnerungen von Misia Sert (1952 entstanden und ab 1980 in deutscher Sprache erhältlich), zum Anderen das englischsprachige Werk The Million Dollar Studs (1977) der US-Journalistin Alice-Leone Moats.
Darüber hinaus erbrachte der Suchbegriff „Mdivani“ zig-Tausende von Zeitungsmeldungen, die meisten zwischen 1926 und 1936, aus den USA, aus England, aber auch einige aus Deutschland und Österreich.

Doch zunächst zu den Büchern von Misia Sert und Alice-Leone Moats: Beide Autorinnen kannten die Mdivanis persönlich. Aber beide kann man auch getrost als voreingenommen bezeichnen.

Misia Sert, geboren 1872, war während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Muse, Freundin und Förderin zahlreicher namhafter Künstler in Paris. Sie war in dritter Ehe mit dem aus Spanien stammenden Maler Joé Maria Sert verheiratet. Das Künstlerpaar nahm Roussadana Mdivani, die jüngere der Mdivani-Schwestern, unter seine Fittiche. Nach einer nervenaufreibenden Ménage-à-trois musste Misia schließlich ihren Ehemann und ihre Busenfreundin Gabrielle („Coco“) Chanel an die 33 Jahre jüngere Roussadana abtreten.

Alice Leone Moats

Alice-Leone Moats (1908–1989) stammte aus der amerikanischen High-Society. Ihre Karriere als Schriftstellerin begann sie 1933 mit dem Handbuch No Nice Girl Swears, einem leicht ironischen Etikette-Ratgeber für gehobene Töchter. Anschließend war sie als Auslandskorrespondentin für das Magazin „Collier’s“ in Japan, China, der Sowjetunion und anderen Ländern tätig.
Alice-Leone Moats behauptete, achtmal verlobt gewesen zu sein, heiratete jedoch nie. In ihrem 1977 erschienen Werk The Million Dollar Studs beschreibt sie charmante Männer, die ihren Lebensunterhalt durch die Heirat mit reichen Erbinnen bestritten. Darunter die Brüder David, Serge und Alexis Mdivani, ebenso den als Playboy bekannten Diplomaten Porfirio Rubirosa. Wie viel sie von diesen Männern und den Damen der Society hielt, die sie ehelichten, lässt sich unschwer an den ersten Sätzen erkennen:

„Die bisher höchste Deckgebühr, die für die Deckung durch einen Vollbluthengst gezahlt wurde, beträgt 100.000 Dollar. Das ist vielleicht kein Pappenstiel, aber im Vergleich zu den Summen, die menschliche Hengste von reichen Ehefrauen kassieren, ist es das sehr wohl.“

Waren die Mdivianis wirklich skrupelose Mitgiftjäger, die ahnungslose Erbinnen in den Ruin trieben? Oder war die Geschichte nicht doch um einiges komplexer? Ich war mir sicher, dass mehr dahintersteckte, und begann mit eigenen Recherchen. Dabei kam mir ein Sherlock-Holmes Experte aus Schweden zu Hilfe.
Mehr darüber im nächsten Blog.

Die ganze Geschichte der Mdivanis und noch viel mehr ist hier nachzulesen.

Susanne Buck: Mörder, Mode, Mitgiftjäger. Buchtitel