Am 19. Juli feiert die einheitliche Rechtschreibung in Gestalt des Dudens ihren 125. Geburtstag.
Zuvor hatte im Deutschen Reich drei Jahrzehnte lang Sprachchaos geherrscht. In Schulen und Amtsstuben von Hannover bis München schrieb und korrigierte man Wörter unterschiedlich, und Verleger wussten nicht, wie sie Texte setzen sollten.
Vorschläge, Schreibweisen zu modernisieren und zu vereinheitlichen, gab es zuhauf. Konrad Duden, Direktor eines Gymnasiums in Schleiz, setzte sich sein Leben lang dafür ein. 1871 veröffentlichte er Rechtschreibregeln mit kurzen Erläuterungen; dabei folgte er dem phonetischen Prinzip „Schreibe, wie Du sprichst“. Im Juli 1880 brachte Duden sein „Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache“ heraus. Es wurde an vielen Schulen zum Standard; fast alle Kinder lernten nach dieser moderneren Schulorthografie.
Für Konrad Duden war die Vereinfachung der Rechtschreibung nichts weniger als ein demokratisches Anliegen.
Er schrieb:
„Der Reiz, welcher für den sachlich Hochgebildeten darin liegt, dass er durch die Gestalt des Wortes an die Herkunft desselben, an die Begriffsentwicklung, die es durchlaufen hat, vielleicht selbst an die Wurzel, aus der es entsprossen ist, erinnert wird, dieser Reiz, sage ich, ist dem Volke im Großen und Ganzen, zu dessen Gebrauch die Schrift da ist, völlig unverständlich, und er hat mit dem Zweck der Schrift nichts zu schaffen.“
In den Ämtern, vor Gericht und in den Ministerien schrieb man dagegen weiterhin „Bureaux“, „Thaten“ und „civilisirt“. Denn Reichskanzler Bismarck stemmte sich gegen alle Reformvorschläge und drohte seinen Beamten ernste Konsequenzen an, falls sie die neue Rechtschreibung anwenden sollten.
Erst nach Bismarcks Tod im Jahr 1889 war der Weg frei, die deutsche Sprache zu modernisieren. Am 19. Juni 1901 wurde dann die künftig geltende einheitliche Orthografie der deutschen Sprache vorgestellt. Sie entsprach in fast allen Punkten den Schreibweisen im Duden.


